“ Ecce ferunt dignam, Kotzenbergere, tiaram; accipe, quod Musae dan tibi dulce decus.”  

 

Über den Reformer

Johannes Kotzenberg, * 1497

genannt "der Ältere"


   
Johannes Kotzenberg, 1497 geboren möglicherweise in Echzell und 1574 gestorben in Gudensberg, wird in einem Brief des Landgrafen Philipp von Hessen vom 7.11.1542 “ Johann von Echzell “ genannt.

Über seine Eltern ist nichts bekannt. In der Matrikel der ehemaligen Universität Erfurt wird im Jahre 1460 ein Philipp Kotzenberg aus Fulda als immatrikuliert genannt. Eine weitere Nachforschung ist nicht erfolgt, daher wurde bisher nicht festgestellt, ob er derselbe Philipp Kotzenberg war, welcher in Diehls hessischer Kirchengeschichte als katholischer Priester in Echzell “ zu Anfang des 16. Jahrhunderts” genannt wird.

Echzell liegt in der Fuldaischen Mark und ist eng mit Fulda verbunden gewesen. In Echzell scheint die Familie ansässig gewesen zu sein, denn wir begegnen an diesem Ort 1544 einem Nikolaus Kotzenberg, welcher dort Glöckner war. Mit diesem Amt wurden nur ortsansässige Personen betraut. Möglicherweise war er ein Bruder oder Vetter von Johannes Kotzenberg. Den Vornamen Nikolaus finden wir wieder als Nikolaus von Kotzenberg, ein Sohn von Christoph Georg Kotzenberg, einem Bruder von Adam Henrich von Kotzenberg.
Von Johannes selbst wissen wir, daß ihn seine Eltern gezwungen haben, katholischer Priester zu werden. Ob, wovon bisher ausgegangen wird, Johannes Kotzenberg tatsächlich in Echzell geboren ist, ist bisher nicht nachgewiesen. Nicht ermittelt ist die Beziehung von Bonifatius Kotzenberg, der 1497 in Fulda ein Haus “ hinter den Barfüssern zwischen der wissen hern hus und der von Lüderbehausung” gekauft hat.

Johannes Kotzenberg war katholischer Priester gewesen, wandte sich aber früh dem evangelischen Glauben zu.
Johannes lebte vor 1529 in Nidda. Er war der erste studierte evangelische Schulmeister an der Lateinschule in Nidda gewesen. Er hat sich dort ein eigenes Haus gekauft und an diesem gebaut. Dabei hat er Schulden machen müssen, denn das Schulmeistergehalt wird wohl nicht allzu hoch gewesen sein. Für die gleichzeitig versehenen Kaplansdienste von 1531 - 36 erhielt er nur das Mittagessen im Johanniterhaus, welches damals die “Collatur” der Niddaer Pfarrei innehatte. Hier scheint er sich auch verheiratet zu haben, was den Altersangaben bei seinen Kindern zu entnehmen ist.
1536
kommt er als 2. Kaplan nach Gudensberg. Aus den Akten des Pfarrarchivs Gudensberg bei Cassel geht hervor, daß 1537 der Landgraf Ludwig von Hessen Johannes Kotzenberg nach Rochlitz zu seiner Schwester Herzogin zu Sachsen geschickt hat, um dort das Evangelium zu predigen. Kotzenberg blieb dort4 Jahre.

Er schreibt:
So vor etlichen undt Zwanzig Jahren die Protestierenden einen Tag zu Schmalkalden hielten, ward durch die Herren allda beschlossen, dass man etliche Praedikanten sollt schicken in fremde Lande, das Evangelium zu predigen, wardt meinen gnädigen lieben Herren seliger Gedächtnis zugeordnet, vier Praedicanten zu geben, der war ich, wiewohl unwürdig, eyner. Und schickt mich mein gnädiger Herr gen Rochlitz im Lande zu Meißen zu seiner fürstlichen Gnaden Frau Schwester Herzogin zu Sachsen, bey derer fürstlichen Gnade war ich vier Jahre, denn so lang war ich ihrer fürstlichen Gnade geliehen.


Kotzenberg ist einer der Reformatoren des Herzogtums Sachsen. Angeführt wird, daß bei Seckendorf ( COMM DE LUTHERNISMO
HEB III SECT.31 § 150, 2 ) Pfarrer Kotzenberg als Mitunterzeichner eines von den hessischen Theologen für den Landgrafen verfassten und von diesem an den Kurfürsten geschickten Gutachtens betreffend die sogenannte Wittenberger Reformation von 1545 genannt ist. Der Name ist darin KUZENBERGER geschrieben. Er scheint übrigens aus Meissen vorzeitig und nicht eben freiwillig zurückgekehrt zu sein, denn es wird berichtet, daß er von dort seines “Philippismus” wegen vertrieben worden sei.

Er wird in Gudensberg Pfarrer und später Superintendent. Seine Befürchtungen über die Unverträglichkeit der Gudensberger ( “Warum soll er da auf disen lausigen Dienst ziehen? Denn, will man Prediger quelen, dann schick man sie nach Gudensberg”.) bewahrheiten sich, denn bald lag er mit ihnen im Streit.
Er beklagte sich höheren Orts über die Gudensberger, weil damahl dem Pfarher viel Unlust am unruhigen Besitzen der Pfarrgüter gemacht, hat sich damahliger Pfarher Johann Kotzenberg in ein gütlichem Vergleich mit den Inhabern der Pfarrgüter eingelassen. Dieser Vergleich beginnt: Auff den Dienstag nach Cantate Anno 1552 seind die Würdigen und Achtbahre Ehrbahrn Herren Casper Kauffunger Superintendenz, Herr Johann Kotzenberger Pfarher für den Amptsknechten Wolff Dieden und George Braun Burgermeister und Raht, auch etlichen der Gemeine dasselbst etlicher Gebrechen halber so der Pfarrer zu dem von Gudensberg gehabt erschienen, und haben sich unter einander auff Mittel und Wege der Pfarrgüter halber wie hernach folget gütlich verglichen und vertragen.” - Es folgen 11 Punkte des Vergleichs.

Johannes Kotzenberg soll ein sehr angesehener Theologe und auf den Synoden von 1543 an eine hervorragende Persönlichkeit gewesen sein. Er ist auch einer von den sieben hessischen Theologen, welche für den Landgrafen das von diesem an dern Kurfürsten geschickte Gutachten betr. die sogenannte Wittenberger Reformation von 1545 verfaßt und unterschrieben haben. Der Abendmahlsstreit bewegte ihn sehr, und er unterzieht auf Grund der Heiligen Schrift die Kontroverse einer theologischen Untersuchung. Seine Anschauung ist calvinistisch.
Von ihm ist eine tiefreligiöse Darlegung verfaßt:
Johannis Kotzenberger pastoris Gotispergae confessio, Thema: de coena Domini 1573 actatis meae annorum 76 (hebd 7 et dierum).

(Quelle wurde von Victor Schulz in Arolsen entdeckt und kam nach Marburg mit den Beständen von Arolsen).

Aus jener Zeit ist ihm ein geistliches Kirchenlied in lateinischer Sprache gewidmet, von Hofkomponist HEUGEL komponiert und in einem geistlichen Liederbuch als CANTIONES SACRAE mit der Signatur 4 4,Mus. 118, Nr. 85 bezeichnet, das in Urschrift in der Kasseler Landesbibliothek aufbewahrt wird. Dieses Lied hat er vermutlich Johannes Kotzenberg als einem Freund von Phillipp dem Großmütigen zu einem wichtigen Tag seines Lebens ( vielleicht Promotion?)gewidmet:
15.11.1565 “ Ecce ferunt dignam, Kotzenbergere, tiaram;
accipe, quod Musae dan tibi dulce decus.”  
Siehe, sie bringen Dir Kotzenberg, eine würdige Krone./
Empfange, was Dir die Musen darreichen als süsse Zierde.
Kotzenberg verteidigte in den Jahren, in denen Kaiser Karl V. versuchte, das protestantische Deutschland in den Katholizismus zurückzuführen (Interim), seinen Glauben und auch die Gudensberger standen hier hinter ihm.
Am 5. November 1548 legte er sein Amt als Pfarrer nieder im Schreiben an die Räte zu Cassel, weil der Erzbischof Sebastian von Mainz die Rückkehr in die katholische Kirche verlangte und bat nur mehr darum, in Gudensberg wohnen bleiben zu dürfen. Dieses wurde ihm und seiner Familie gewährt mit der Bitte der Räte an ihn, weiterhin die “reine Lehre des Evangeliums” zu verkünden.
Wirtschaftlich ging es Johannes Kotzenberg nicht gut. Er hatte Schulden, denn das Studium seiner Söhne kostete ihn viel Geld. Für die Aussteuer seiner Töchter hatte er kein Geld mehr. Philipp der Großmütige bewilligte ihm 1566 auf eine Bittschrift hin aus den Gefällen des ehemaligen Klosters Breitenau auf 10 Jahre jährlich je 6 Viertel Roggen und ebensoviel Hafer. Vor dem 4. Juni1574 im Alter von 76 Jahren starb Johannes Kotzenberg.

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